Zitat von Rolf Metzner im Beitrag #39Ich ergänze mal - nach Rücksprache mit Christian - die Lücke zwischen "Eckardtsberg 20" und "Eckardtsberg 30":
Eckardtsberg 22
Auf diesem Grundstück steht ein kleines gemauertes Gartenhaus mit interessantem Grundriss (fast wie eine kleine Kapelle - siehe Übersichtsplan), welches sich die Natur zurück holt. Das Dach ist bereits vollkommen zugewuchert, so dass dieses Gartenhaus von der Straße her kaum mehr einsehbar ist (habe es mal bei einem Winterspaziergang entdeckt). Da die Gartentüre dieses Grundstückes nicht mehr verschließbar ist, habe ich mich den mit Brombeerranken zugewucherten Treppenweg hinunter getraut. Hier ein Blick vom Weg aus und zwei Außenansichten dieses Gartenhäuschens:
Das Grundstück "Eckardtsberg 22" wurde komplett frei geschnitten (wohl für eine Bebauung), so dass jetzt auch das alte Gartenhaus frei steht (ich hoffe, es wird renoviert und bleibt erhalten). Hier ein paar aktuelle Fotos davon (außen und innen):
Auf Google Maps sieht es so aus, als wäre im vorderen Teil Bebauung durch Einfamilienhäuser gekommen, im hinteren Teil nur Gartengrundstücke.
Nach meiner Erinnerung waren diese Luftbäder hinter der früheren Gaststätte Niller (Seidmannsdorfer Str. 119 und 121). Aber ich weiß nicht mehr, wo sie begannen und endeten, und ob sie auch noch den hinteren Bereich der Nachbargrundstücke umfassten).
Die Luftbäder wurden aber in diesem Thread schon einmal 2013 behandelt, und in einem anderen Zusammenhang hier Untergegangene Gastwirtschaften (4)
ja stimmt, dieser Thread wurde schon einmal behandelt. Aber da hieß es noch, dass die Luftbäder für die Männer geschlossen wurden, die Damen konnten sich noch länger darin aufhalten. Mich interessiert eben, ob der Teil der "Damen" inzwischen auch geschlossen wurde u. was mit dem restl. Grundstück ist.
Am Gebäude sind typische Merkmale eines „Schweizer Landhausstils“ / „Chaletstils“ erkennbar:
Holzbau mit sichtbarer Konstruktion (Stützen, Riegel, Streben) und reiches Holzdekor
Große Veranda / Laubengänge als „Sommerwirtschaft“-Architektur (Außensitzen, Aussicht genießen)
Weit auskragende Dachflächen und malerische, asymmetrische Dachformen
Zierbrüstungen/ Geländer und „pittoreske“ Wirkung – eher Freizeit- und Ausflugsarchitektur als strenger Zweckbau
Dieser Stil gehört zum Historismus und ahmt in dekorativer Weise alpenländische Bauernhäuser/Chalets nach (darum auch „Schweizerhausstil“).
Wann wurde das Gebäude errichtet?
Die Idee/Eröffnung eines Lokals am Eckardtsberg wird im Kontext 1897 genannt (als Ausflugsziel nach Fertigstellung des Treppenwegs).
Architektonisches Vorbild
Das Vorbild ist kein „städtischer Altbau“ im Sinne von Gründerzeit-Mietshaus, sondern eher:
Schweizer/alpenländisches Chalet (Bauernhaus- und Berghausmotive), übertragen auf eine bürgerliche Ausflugsgaststätte im 19./frühen 20. Jh.
Welche soziale Schicht?
Das Gebäude ist (auch wenn es „alt“ ist) keine typische Wohnarchitektur einer Schicht, sondern Gastronomie/Freizeit. Die soziale Einordnung ergibt sich aus Nutzung und Lage:
Als Ausflugslokal am stadtnahen Aussichtspunkt zielte es stark auf städtische Mittel- und Bildungsbürger (Sonntagsausflüge, Vereine, Familienfeiern, „gesellschaftliches Leben“).
Gleichzeitig war es öffentlich zugänglich und damit eher breit bürgerlich (bis hinein ins Kleinbürgertum/Arbeitermilieu bei Festen/Feiern) – keine rein aristokratische Privatarchitektur.
Baustil: Schweizer Landhausstil / Chaletstil (historisierend)
Obwohl ein jüngerer Neubau wirkt der Bau bewusst alt-traditionell. Das passt sehr gut zum Schweizer Landhausstil (auch „Chaletstil“, im weiteren Sinn Heimatschutz-/Traditionalismus):
Erkennbare Merkmale am Gebäude
Obergeschoss in Holz (Schalung), Untergeschoss verputzt mit robust wirkendem Sockelbereich → typische „Landhaus“-Materialhierarchie
Satteldach mit weitem Überstand und sichtbaren Sparren/Schmuckhölzern → „alpine“ Anmutung, Wetterschutz, Atmosphäre
Großer Balkon / Laube an der Giebelseite mit dekoriertem Geländer → klassisches Chalet-Motiv
Insgesamt keine strenge Moderne, sondern gemütlich-pittoresk für Ausflugsbetrieb (Biergartenbestuhlung davor)
Wann errichtet?
Hier ist die Quellenlage ziemlich eindeutig: Die Eckardtsklause brannte 1933 und wurde im selben Jahr wiederaufgebaut – ausdrücklich „im Schweizer Landhausstil“.
Architektonisches Vorbild
Vorbild ist kein städtischer „Altbau“ wie Gründerzeit-Mietshaus, sondern das alpenländische Chalet / Schweizer Landhaus – ein bewusst regional-romantisierendes Vorbild, das im deutschen Sprachraum häufig für Ausflugsgaststätten eingesetzt wurde (Gemütlichkeit, Naturbezug, „Feriengefühl“).
Zu welcher sozialen Schicht „gehört“ das Haus?
Wichtig: Das ist kein Wohnhaus einer Schicht, sondern ein Restaurant/Ausflugslokal. Die soziale Zuordnung läuft daher über das Publikum:
Sehr typisch für städtisches Bürgertum und Mittelschicht (Sonntagsausflüge, Vereinsleben, Familienfeiern) – dafür ist diese Landhaus-Inszenierung geradezu gemacht.
Gleichzeitig: als Gaststätte breiter zugänglich als eine Privatvilla; also eher bürgerlich bis kleinbürgerlich in der Nutzung, nicht „adelige“ Privatarchitektur.
Baustil: kleiner Zweckbau im traditionellen Landhaus-/Heimatschutz-Kontext mit Mansarddach
Die prägendste Form ist das Mansarddach (zweigeteiltes Dach: unten sehr steil, oben flacher). Dazu kommen:
Putzbaukörper (glatte, weiße Wandflächen, sehr wenig Schmuck) → spricht für einfachen, funktionalen Bau
Schwere, weit heruntergezogene Dachflächen mit kleinem Dachüberstand
Dachgauben (hier sogar mit kleinem Giebel/„Verdachung“ über der Öffnung) → klassisches „Wohnlichkeit“-Motiv
Fensterläden (praktisch + traditioneller Look)
Kleiner Grundriss und Lage im Grünen → wirkt wie Nebenhaus, Wirtschafts-/Forsthaus, Wochenend-/Gartenhaus oder Gerätehaus mit ausgebautem Dachraum
Das Ganze passt sehr gut zu dem, was man in Deutschland häufig als Heimatschutzstil / traditionalistisches Bauen (frühes 20. Jh.) oder allgemein „ländlich-traditionell“ bezeichnen würde – allerdings ohne viel Dekor, eher als Zweckbau.
Wann wurde es errichtet?
(ca. 1880–1930).
Warum diese Spanne?
Das Mansarddach ist in Mitteleuropa zwar schon seit dem 18. Jh. bekannt, wird aber in vielen Regionen im 19. Jh. und nochmals um 1900 sehr gerne genutzt (mehr Nutzfläche unterm Dach, „bürgerlich-traditioneller“ Eindruck).
Der Bau wirkt nicht barock/rokoko (dafür wäre er meist stärker gegliedert/proportioniert) und nicht modernistisch (keine Flachdachlogik, keine klaren kubischen Details).
Materialwirkung und Einfachheit sprechen eher für pragmatischen Bau des 20. Jahrhunderts als für „repräsentativ 1700“.
Welches architektonische Vorbild?
Das formale Vorbild ist ziemlich klar:
Französisches Mansarddach (ursprünglich aus der französischen Architekturtradition) – funktional: mehr Raum im Dachgeschoss bei begrenzter Traufhöhe.
In der Ausprägung hier zusätzlich regional-ländliche Hausformen (Putz + Läden + einfache Gauben), wie sie im Heimatschutz/traditionalistischen Bauen gern zitiert wurden.
Kurz: „Mansarddach nach französischem Vorbild“ + „ländlich-traditionelle Ausführung“.
Welche soziale Schicht?
Als Wohnhaus wäre das eher untere bis mittlere Schicht bzw. „kleinbürgerlich“ – aber es könnte auch gar kein klassisches Wohnhaus sein, sondern ein Funktionsgebäude.
Wahrscheinlichste soziale Zuordnung je nach Nutzung:
Wenn Wohnhaus: eher kleinbürgerlich / Handwerker / Forstbedienstete / Arbeiter (kleiner Baukörper, schlicht, zweckmäßig).
Wenn Nebengebäude eines größeren Besitzes (Forst/Schloss/Gutshof): dann gehört es „sozial“ eher zur Dienst-/Angestelltenwelt (Försterhaus, Jagd-/Waldhaus, Gerätehaus) – also nicht Repräsentation der Oberschicht, sondern Infrastruktur für einen größeren Eigentümer.
Zweigeschossiger, kubischer Baukörper mit eher ruhigen Proportionen
Walm-/Halbwalm-Dach (breites, geschlossenes Dachvolumen) mit roten Tonziegeln
Putzfassade ohne starken Stuckdekor → insgesamt sehr zurückhaltend
Regelmäßige Fensterachsen und kleinteilige Sprossenfenster (wirken teils erneuert, aber in Anmutung „alt“)
Sockel-/Kellerfenster: deutet auf massives Mauerwerk und Hanglage hin
Außenbereich /„Biergarten“-Anmutung → Nutzung als Gasthaus/Pension ist plausibel
Das ist typisch für einen ländlichen Altbau, der nicht im opulenten Gründerzeit-Stil (mit viel Stuck und Dekor) daherkommt, sondern eher „bürgerlich-praktisch“.
Stil-Einordnung
Am ehesten passt das zu ländlichem Klassizismus / Biedermeier-naher Bauweise bzw. einem schlichten bürgerlichen Landhaus:
Klassizistisch/biedermeierlich ist hier vor allem die Schlichtheit, Ordnung/Regelmäßigkeit und das „ruhige“ Dach- und Fassadenbild.
Gleichzeitig ist es stark von regionaler, vernakulärer Bauweise (Handwerk/Material vor Ort) geprägt.
Wann könnte es errichtet worden sein?
Aus den Merkmalen würde ich eine Errichtung grob im 19. Jahrhundert ansetzen, mit wahrscheinlichen Umbauten später:
Wahrscheinlichkeitskorridor: etwa 1830
Welches architektonische Vorbild?
Hier ist „Vorbild“ weniger ein einzelnes berühmtes Gebäude, sondern ein Bautyp:
Vorbildtyp: bürgerliches klassizistisches Wohnhaus (Stadt-/Marktfleckenhaus) übersetzt in den ländlichen Raum
Dazu Gasthaus-/Wirtshaus-Typologie: repräsentativ genug für Publikum, aber robust und funktional.