In der Callenberger Straße nach der Unterführung gabe es ja früher auch einige Firmen. Da war eine Chemiefabrik, die hieß glaube ich Dosch oder so ähnlich. Dann die Firma Dornburg, soviel ich weiß war das Haus Nr. 50 (hab da auch noch ein Bild dazu, find ich aber im Moment nicht). Dann war da noch die Firma Cormag oder so ähnlich. Und an die Gastwirtschaft "Zur Änne" erinnere ich mich auch noch gut, obwohl diese doch schon so einige Jahre nicht mehr existiert.
Zitat von Sputnik60 im Beitrag #114In der Callenberger Straße nach der Unterführung gabe es ja früher auch einige Firmen. Da war eine Chemiefabrik, die hieß glaube ich Dosch oder so ähnlich. Dann die Firma Dornburg, soviel ich weiß war das Haus Nr. 50 (hab da auch noch ein Bild dazu, find ich aber im Moment nicht). Dann war da noch die Firma Cormag oder so ähnlich.....
Zu den Maschinenbaufirmen COMAG (Callenberger Str. 52-58) und DORNBURG (Callenberger Str. 50) habe ich Belege:
Der Tünchermeister Martin Wedel ließ das Wohnhaus 1905 auf einem städtischen Wiesengrundstück errichten. Es handelt sich also um einen Altbau aus der späten wilhelminischen Zeit
Baustil / architektonisches Vorbild
Das Haus kann mit seiner ursprünglichen Ausgestaltung im Jugendstil als Fabrikanten-Villa bezeichnet werden. Vorbild war damit die bürgerliche Fabrikantenvilla im Jugendstil (Art Nouveau) – also repräsentative Stadthäuser wohlhabender Unternehmer um 1900.
Auf dem Foto sieht man, dass die Fassade heute stark vereinfacht ist (glatter Putz, moderne Fenster, vermutlich nachträgliche Wärmedämmung). Viele typische Jugendstil-Details (Putzgliederungen, Schmuckformen) sind offenbar verloren gegangen oder überdeckt.
Erkennbar bleibt aber die asymmetrische, plastische Dachform mit dem steilen Ziegeldach und den Gauben, sowie der kompakte Baukörper – typische Merkmale der Reformarchitektur/Jugendstil um 1900, auch wenn die Zierformen fehlen.
Soziale Schicht
Der Tüchnermeister Wedel betrieb in der Callenberger Straße 3 eine Holzspielwarenfabrik. Damit lässt sich das Haus klar einordnen:
Es gehört nicht zur Arbeiter- oder einfachen Angestelltenbebauung, sondern zur Wohnkultur eines Fabrikanten / wohlhabenden Bürgers.
Sozial wäre es dem gehobenen Bürgertum / oberen Mittelstand zuzuordnen, also einer Schicht, die über genug Kapital verfügte, um direkt an der Straße eine repräsentative, eigenständige Villa neben dem Fabrikgelände zu errichten.
Das Gebäude ist ein mehrstöckiges Mietshaus des frühen 20. Jahrhunderts mit späthistoristischen und reformarchitektonischen Zügen (oft auch als Reformstil/Heimatstil-nahe Gründerzeit-Nachphase beschrieben):
Hoher, steiler Walmdach-/Krüppelwalmdachkörper mit roten Ziegeln und mehreren Gauben → typisch für die Zeit um 1900–1914, als man wieder „malerische“ Dachsilhouetten und regionale Anmutungen bevorzugte.
Eckbetonung durch den Baukörper (dominante Straßenkante) und Erker-/Vorbauten → ein klassisches Motiv bürgerlicher Miet- und Wohnhäuser, um Repräsentation und bessere Belichtung zu erzielen.
Horizontale Gesimsbänder / Stockwerkgliederung und eher zurückhaltender Fassadenschmuck → weniger überladen als die Hochgründerzeit, daher gut passend zur Reformarchitektur (vereinfachter Historismus).
Insgesamt wirkt es wie ein bürgerliches Mietshaus: solide, repräsentativ, aber nicht palastartig.
Errichtungszeit Das Haus wurde 1901 als mehrstöckiges Mietshaus durch Maurermeister Christian Meyer errichtet.
Architektonisches Vorbild / „Vorlage“
Als Vorbild diente sehr wahrscheinlich der damals verbreitete Typus des bürgerlichen Mietshauses bzw. der Stadtvilla im Reformstil (ca. 1900–1914):
Grundform und Gliederung orientieren sich an klassisch-historistischen Stadtwohnformen (Gesimse, klare Geschossigkeit),
kombiniert mit der „heimatlichen“ Dachlandschaft (steiles Ziegeldach mit Gauben), wie sie die Reformarchitektur als bewussten Gegenakzent zum überbordenden Gründerzeitdekor nutzte.
Kurz: bürgerliches Wilhelminisches Mietshaus (Nachgründerzeit) mit Reformstil-/Heimatstil-Anklängen.
Zugehörige soziale Schicht
Aus den Angaben im Anhang ergibt sich eine klare soziale Einordnung:
Spätestens 1919 wird Conrad Rohlfs, Fabrikbesitzer, als Hauseigentümer genannt; im Haus waren Kontor und die Wohnung des Firmeninhabers untergebracht.
Das spricht für gehobenes Bürgertum / Industrie- und Besitzbürgertum (wirtschaftlich gut situiert), nicht für Arbeiterwohnen.
Auch die Bauart (mehrgeschossig, repräsentative Ecklage, Erker, aufwändiges Dach) passt zu einem Haus für bürgerliche Mieter bzw. den Eigentümer mit repräsentativem Anspruch.