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Dieses Thema hat 129 Antworten
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 Coburger Geschichte
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alter Coburger Offline



Beiträge: 244
Punkte: 277

15.10.2012 15:55
#76 RE: :Kriegsende 1945 in Coburg Teil 2 Zitat · antworten

Zitat von Feldwebel M im Beitrag #113
Hat dein Vater wirklich gesehen, daß ein SS-Mann die weiße Fahne heruntergeschossen hat ?


Ich werde meien Vater einmal danach fragen, sollte ich Ihn einmal wiedersehen!!!
Mir ist aber nichts bekannt, das er Farbenblind war!

alter Coburger Offline



Beiträge: 244
Punkte: 277

15.10.2012 16:05
#77 RE: :Kriegsende 1945 in Coburg Teil 3 Zitat · antworten

Unser Leben in der Nachkriegszeit
Langsam begann, wenn auch zeitlich beschränkt, wieder ein einigermaßen normales Leben, jedoch mit einer gewissen Unsicherheit. Beim Bäcker gab es wieder Brot, wenn auch begrenzt wegen der Stromsperre, und auch die Geschäfte konnten das, was sie noch auf Vorrat hatten, verkaufen. Leider war das sehr schnell ausverkauft. In dieser Zeit danach lebten wir von dem, was wir auf Vorrat angelegt hatten.
Ich weiß nicht mehr wann, aber so nach etwa 4 Wochen, bekamen wir Lebensmittelmarken. So sollte die Versorgung einigermaßen gesichert werden. Die Zuteilungen waren aber sehr gering und man musste dafür lange an den Geschäften anstehen und wenn man an der Reihe war, war oft nichts mehr da.
Täglich stand nur eine bestimmte Menge an Lebensmitteln zur Verfügung, deren Gesamtnährwert in Kalorien angegeben war. Die Höhe der Rationen legten die Militärregierungen fest. Da ein körperlich Arbeitender einen höheren Nährstoffbedarf hatte als ein Kind, teilten die Besatzungsbehörden die Bevölkerung in verschiedene Kategorien ein (z.B. Schwerarbeiter, Arbeiter, Erwerbslose, Kinder).
Auf der Lebensmittelkarte waren die einzelnen Mengen der Produkte verzeichnet, auf die der Inhaber Anspruch hatte.
So standen einem Arbeiter täglich 65 g Fleisch, 60 g Nährmittel, 15 g Fett, 60 g Kaffee und 20 g Tee zu.
Die Lebensmittelrationen, sanken unter das Existenzminimum. Der Zuteilung-durchschnitt war während der Endphase des Krieges noch bei 1500 Kalorien, doch er sank  pro Tag extrem herunter. Die Menschen nahmen nun nur um die 700 Kalorien zu sich.
Hungernd und frierend waren die Deutschen nun ein Volk der Bettler und Diebe. Man fand sie beim "Hamstern" beim Schachern auf dem Schwarzmarkt, beim Stehlen auf den Kohlezügen auf den Feldern, oder beim Schmuggel.
Durch die Kriegseinwirkung und die Vernachlässigung der Felder und Äcker im letzten Kriegsjahr, wurde die Versorgung mit Lebensmitteln immer kritischer. Zum Glück wurde die Ausgangszeit verlängert. Es blühte der Schwarzmarkt, aber wir hatten leider keine Wertgegenstände, die wir gegen Lebensmittel hätten eintauschen können.

In dieser Zeit ging es um das nackte Überleben. Zukunftsängste machten sich breit. Die Zeit, in der wir keine Schule hatten, nutzten auch wir Kinder, um uns am Überlebenskampf zu beteiligten. Egal was es war, alles wurde gesammelt, Hauptsache, es machte satt. Kartoffelstoppeln, Ähren lesen, Fallobst aufsammeln: dies war unsere tägliche Beschäftigung. Wenn der Hunger sehr groß war, sind wir auch einmal an einen Kartoffelacker gegangen und haben ein paar Kartoffeln mitgehen lassen. Wenn man damals geklaut hat, war man sich keiner Schuld bewusst, weil uns nichts anderes übrig geblieben ist, um zu überleben.
Ich erinnere mich noch, Brennnessel, Sauerampfer und Kartoffelschalen, (die wir von einer Tante, die den Haushalt eines Geschäftsmannes führte, bekamen,) wurden durch den Wolf gedreht und daraus Tätsch gebacken. Wenn kein Fett vorhanden war, hat unsere Mutter Kaffee in die Pfanne getan.
Für eine Kanne Buttermilch sind wir mit dem Zug nach Rodach zur Molkerei gefahren und wenn wir Pech hatten und nicht rechtzeitig wieder zum Bahnhof gekommen sind, mussten wir nach Coburg zurück laufen. Am Tag fuhren nur 3 Züge, in der Früh, am Mittag und am Abend.
Aber auch an den kommenden Winter mussten wir denken, jeder Ast oder jedes Stück Holz wurde nach Hause getragen, selbst lose Zaunlatten ließen wir mitgehen. Das war aber nur der Anfang, diese Zeit sollte noch lange dauern.
Der ganze Verwaltungsapparat war ja nicht mehr da, die Amerikaner mussten erst wieder eine Verwaltung aufbauen und das war gar nicht so leicht. Alle Posten in der Verwaltung waren ja mit Nationalsozialisten besetzt und die mussten erst entnazifiziert werden. Das Gleiche galt auch für die Lehrkräfte in den Schulen, auch die mussten entnazifiziert werden und unbelastete Lehrkräfte mussten gesucht und eingestellt werden.
Am 06.09.1945 begann für die Klassen 1-4 wieder der Schulunterricht. Für die Klassen 5-8 begann der Unterricht vermutlich aus Mangel an Lehrkräften erst am 08.10.1945. Weil unsere Schule noch Lazarett war, wurden wir auf andere Schulen verteilt.
Da viele Lehrer Nazis waren und nicht mehr unterrichten durften, hatten wir am Anfang nur junge Lehramtsanwärter, die vorher noch nie unterrichtet hatten, sie hatten es sehr schwer mit uns! Die Schulbücher waren knapp, man musste sie mit mehreren Schülern gleichzeitig benutzen. Zum Teil waren aber auch einige Bücher verboten, weil noch etwas aus der Nazizeit darin stand. Manchmal wurden aber auch nur einige Seiten entfernt. Dass wir in dieser Zeit nicht viel gelernt haben, kann sich jeder denken.
Wir Kinder waren inzwischen fast alle unterernährt. Mit der "Quäker-Schulspeisung" versuchten die Alliierten u.a. Hunger und Unterernährung der Kinder zu mildern. (Quäker eine Christliche Gemeinschaft in Amerika). Durch ihre Spenden konnte eine warme Mahlzeit für fast jedes Schulkind gewährleistet werden. Dies konnten Milchspeisen, meist Haferbrei, Erbsensuppe oder regional geprägte Eintöpfe oder Süße Nudeln usw.
Samstags gab es immer Kakao und ein Brötchen. Wir Kinder brachten Essgeschirr in Form eines Blechgefäßes und einen Löffel zur Schule und der Ausgabestelle mit. Es wurde auch darauf geachtet, dass wir das, was wir bekamen auch selbst aßen, wir durften nichts mit nach Hause nehmen. Aber meist war der Hunger ja so groß, dass wir sowieso alles aßen, auch wenn es uns einmal nicht geschmeckt hat.
Es war eine schwere Zeit, denn mit Lebensmitteln war die Versorgung sehr schlecht und wir litten in den ersten Jahren bis zur Währungsreform sehr großen Hunger. Die Zuteilung auf den Lebensmittelmarken reichte natürlich nie, um auch nur einigermaßen satt zu werden. Unsere Mutter wusste oft nicht, was sie uns zu Essen machen sollte, wir gingen zu Fuß bis nach Kaltenbrunn oder in die andere Richtung nach Rodach bei den Bauern betteln und waren glücklich, wenn wir nach Hause kamen und so 20 bis 30 Kartoffeln und ein paar Scheiben Brot und vielleicht auch einmal ein paar Eier bekommen hatten. Unterwegs suchten wir natürlich unter jedem Obstbaum, ob nicht noch ein Apfel oder eine Birne zu finden wäre.
Ein Halbes Jahr nach Kriegsende kam dann unser Vater aus der Gefangenschaft nach Hause, worüber wir natürlich sehr glücklich waren. Vor allen unserer Mutter viel ein Stein vom Herzen, denn in all dieser Zeit wussten wir ja nicht einmal, ob er noch am Leben ist. Natürlich freuten auch wir Kinder uns! Unser Vater versuchte Arbeit zu finden aber das war in dieser Zeit sehr schwer und so ging er zu erst einmal auf einem Gutshof, der ganz in unserer Nähe war als Knecht arbeiten. I
Im Sommer und Herbst war an den Wochenenden oft Holztag, da ging es mit dem Handwagen oft bis kurz vor Mährenhausen, das waren immerhin so zirka 6 Kilometer einfache Strecke, das zu Fuß und mit dem Handwagen. Hier wurden dürre Bäume um gemacht und nach Hause gefahren. Wir sind immer früh sehr bald weggefahren und waren am späten Nachmittag erst wieder zu Hause. Das war, vor allen im Sommer, wenn es einmal sehr heiß war eine große Strapaze. Zu Hause musste es gesägt, gehackt und dann hoch getragen werden unters Dach. Auch Stöcke graben war manchmal an gesagt, das war eine schwere Arbeit und erst das sägen und hacken!
Aber dafür brannte es auch länger. Denn auch Kohlen gab es nur auf Bezugsschein, und wer wollte schon im Winter frieren? Lieber dafür im Sommer schwitzen. Überall mussten wir mit helfen, das war zu unserer Zeit aber selbstverständlich.

Nebelglocke Offline




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15.10.2012 16:37
#78 RE: :Kriegsende 1945 in Coburg Teil 2 Zitat · antworten

Zitat von alter Coburger im Beitrag #114
Zitat von Feldwebel M im Beitrag #113
Hat dein Vater wirklich gesehen, daß ein SS-Mann die weiße Fahne heruntergeschossen hat ?


Ich werde meien Vater einmal danach fragen, sollte ich Ihn einmal wiedersehen!!!
Mir ist aber nichts bekannt, das er Farbenblind war!



Ich glaube mich zu erinnern, daß Ihr Euch darauf geeinigt hattet, daß ein gezieltes Herunterschießen schlichtweg unmöglich ist. Es spricht aber doch wohl nichts dagegen, daß da jemand geschossen und zufällig auch getroffen hat und dabei auch noch ein besonders empfindliche Stelle.

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Mir is a Fatzn Duft mei Nous naufkrocha!

gerd Offline



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15.10.2012 19:58
#79 RE: :Kriegsende 1945 in Coburg Teil 2 Zitat · antworten

kann ich momentan leider nicht darauf zurück greifen...das Buch ist z.Zt. auf "Weltreise" in Montana

Nebelglocke Offline




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15.10.2012 20:15
#80 RE: :Kriegsende 1945 in Coburg Teil 2 Zitat · antworten

Zitat von Alpha im Beitrag #117
Im Buch "Hitlers Herzog" wird auf die Sache mit der weißen Fahne detailliert eingegangen.


Das will ich gerne glauben. Das Buch kostet gutes und sicher gerechtfertigtes Geld, das ich zur Zeit schlicht nicht habe.

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gerd Offline



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15.10.2012 20:55
#81 RE: :Kriegsende 1945 in Coburg Teil 2 Zitat · antworten

Auf jeden Fall ist die Biographie von C.E.,die Sandner geschrieben hat viel aufschlussreicher als die,welche Priesner vor vielen Jahren geschrieben hatte!
Für denjenigen,der sich mit der Materie beschäftigt auf jeden Fall eine Fundgrube!
Sandner hat ja dafür viel Zeit,Geld und viel Initiative in die "Waagschale" geschmissen.

Ich werde aber keine Bücher mehr kaufen,obwohl ich das über Jahre hin getan habe!Von der finanziellen Investition dabei ganz zu schweigen....
Mittlerweile quillen die Regale über,was einmal damit passiert?.......
Floh Markt oder Schutt Mulde?......

2fast4u Offline




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15.10.2012 21:25
#82 RE: :Kriegsende 1945 in Coburg Teil 2 Zitat · antworten

Gerd, zur Not kannst du die Bücher ja nach und nach in den offenen Bücherschrank beim Landestheater stecken - freut sich bestimmt der ein oder andere darüber
Aber bitte nicht in die Schuttmulde!

gerd Offline



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15.10.2012 21:31
#83 RE: :Kriegsende 1945 in Coburg Teil 2 Zitat · antworten

....zwei "fuhren" sind schon im Müllwerk gelandet....

Stammbus Offline



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15.10.2012 21:48
#84 RE: :Kriegsende 1945 in Coburg Teil 2 Zitat · antworten

Zitat von gerd im Beitrag #120
Auf jeden Fall ist die Biographie von C.E.,die Sandner geschrieben hat viel aufschlussreicher als die,welche Priesner vor vielen Jahren geschrieben hatte!



Schlimmer als die von Priesner konnte sie ja sowieso nicht sein, die Priesner'sche "Biografie" war ja reine Apologetik.

gerd Offline



Beiträge: 4.376
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15.10.2012 22:01
#85 RE: :Kriegsende 1945 in Coburg Teil 2 Zitat · antworten

ewald ( gelöscht )
Beiträge:

15.10.2012 23:24
#86 RE: :Kriegsende 1945 in Coburg Teil 2 Zitat · antworten

Coburg1945.jpg - Bild entfernt (keine Rechte)

Christian Offline



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Punkte: 5.809

15.10.2012 23:29
#87 RE: :Kriegsende 1945 in Coburg Teil 2 Zitat · antworten

Das wäre auch was für den Casimir-Thread gewesen.

ewald ( gelöscht )
Beiträge:

15.10.2012 23:33
#88 RE: :Kriegsende 1945 in Coburg Teil 2 Zitat · antworten

Zitat von Christian im Beitrag #126
Das wäre auch was für den Casimir-Thread gewesen.


Der Coburger Mohr auf dem Panzerchen?

2fast4u Offline




Beiträge: 95
Punkte: 101

15.10.2012 23:52
#89 RE: :Kriegsende 1945 in Coburg Teil 2 Zitat · antworten

Was sind das eigentlich für kaputte Mauern im Hintergrund, rechts von der Statue? War da ein Brunnen oder sind das Verteidigungswälle?

Zum Kriegsende:
Ein Arbeitskollege der im Probstgrund wohnt, hat mir vor einigen Jahren mal erzählt, dass sein Wohnhaus damals von einer Artillerie oder Kanonenkugel(?) getroffen wurde und man noch heute sieht, wie die Mauer ausgebessert wurde bzw. seit dem auch leicht schief ist. Weiß jetzt nur nicht ob er wirklich Kanonenkugel gesagt hat und es viel früher als 2. Weltkrieg war. Müsste ich bei Gelegenheit nochmal nachfragen.

Ich hab hier übrigends noch ein kleines Geheft, dass das Kriegsende im Coburger Umland, speziell im Rodacher Raum schildert. Hat mein Großvater (ehem. Bürgermeister meines Ortes) damals als Geschenk erhalten. Leider steht nichts direkt über Coburg dabei - aber Rodach hat es wohl den Bildern nach zu urteilen stellenweiße auch ganz hart erwischt.

ewald ( gelöscht )
Beiträge:

16.10.2012 00:13
#90 RE: :Kriegsende 1945 in Coburg Teil 2 Zitat · antworten

Zitat von 2fast4u im Beitrag #128
Was sind das eigentlich für kaputte Mauern im Hintergrund, rechts von der Statue? War da ein Brunnen oder sind das Verteidigungswälle?



Ein retardierter Ableger vom Westwall?

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